Im Spannungsfeld von Freiwilligkeit und Pflichtaufgabe

30. Juli 2022

Für die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Cronenberg ist die Sache klar: Ihr Herz brennt für die vielfältigen Aufgaben in der Freiwilligen Feuerwehr Cronenbergs. Wo andere „Normalbürger“ weglaufen, da laufen sie mitten hinein. Gleichgültig, ob eine Katze aus dem Baum gerettet werden muß, ein Verkehrsunfall „aufgeräumt“, eine Flutkatastrophe wie 2021 oder ein brennendes Objekt; die Freiwilligen Cronenberger stehen mit dem ganzen Mann (und Frau!) zur Verfügung. 

Über 50 Helden stehen im aktiven Dienst Tag und Nacht bereit. Manch einer verläßt im Alarmfall seinen Arbeitsplatz – das Einverständnis der Arbeitgeber liegt hier natürlich vor – und eilt in eine manchmal vollkommen unbekannte Lage. Danke an die Arbeitgeber an dieser Stelle!

Doch genau darauf sind die Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehr gut vorbereitet und ausgebildet. Der Ausbildungsweg ist ebenso hart, wie der der Berufsfeuerwehr. Und so kann der Außenstehende oft nicht unterscheiden und hält die Einsatztruppe für die Berufsfeuerwehr – doch nicht selten sind es Ehrenämtler, die als Erste vor Ort sind.

Sie alle haben sich freiwillig zu diesem Ehrenamt gemeldet. Doch man darf es nicht vergessen: Nach der freiwilligen Meldung ist diese Aufgabe nicht nur ein einfaches Hobby. Man kann nicht mal kommen und dann doch mal lieber ins Kino gehen. Verbindlichkeit wird hier groß geschrieben. Nur durch Austritt kann diese Verbindlichkeit aufgelöst werden. Jedermann weiß, wann er Dienst hat.

Und so staunt man über Mitgliedschaften, die über Jahrzehnte gehen, wo zahllose Einsatzstunden ohne jede Bezahlung geleistet werden, die uns allen letztendlich dienen. 50 und mehr Jahre sind keine Seltenheit. Und wer nicht mehr so aktiv sein kann, der hilft an anderer Stelle mit. Arbeit gibt es genug.

Die Kehrseite der Medaille

Die Verantwortung der öffentlichen Hand!

Eigentlich ist die Lage eindeutig. Die Stadt Wuppertal hat die Pflicht, hier für die Sicherheit der Bürger zu sorgen. Sie ist verbindlich verpflichtet und steht in der Haftungsverantwortung (wenn es solch einen juristischen Begriff gibt). Ein Abschieben auf Dritte ist hier nicht so einfach möglich.

Nun kann man ja sagen, es gäbe doch die Berufsfeuerwehren, doch genauso ist es auch klar, daß die nicht ausreichend ist, um die geforderte Sicherheit zu gewährleisten. Eine derart ausgestattete Berufsfeuerwehr ist schlichtweg zu teuer. Selbst bei volleren Haushaltskassen wäre diese Art von Vollausstattung nicht zu finanzieren. Um ihren gesetzlichen Verpflichtungen (BHKG) nachzukommen und insbesondere die Schutzziele des Brandschutzbedarfsplans einzuhalten kann oder muss die Stadt von ihr zu unterhaltende Freiwillige Feuerwehren einrichten.

 Freiwillig ist hier ausschließlich der Wille der Bürger in die Freiw. Feuerwehr, mit allen dazugehörenden Verpflichtungen, einzutreten.

 Der Kontrolldruck durch vorgeschriebene Ausrückzeiten und vieles mehr macht den Einsatz dieses Ehrenamtes unentbehrlich für die Stadt Wuppertal, damit sie ihrer gesetzl. Verpflichtung gegenüber den Bürgern gerecht wird.

Ein Einblick in die aktuelle Lage

Umsetzung der Verantwortung

Die Grundausstattung und Finanzierung wird durch den Haushalt der Stadt Wuppertal auch für die Freiwilligen Feuerwehren gesichert. Hier gibt es auch grundsätzlich wenig zu beklagen. Doch bei einem Besuch am 29. Juli 2022 bei der Freiwilligen Feuerwehr, eingeladen von der CDU-Fraktion der Bezirksvertretung Cronenberg, zeigten sich die Besucher dann doch etwas sehr irritiert.

Der Einladung folgten u.a. alle Cronenberger Bezirksvertreter der CDU (Michael-G. von Wenczowsky, Dr. Klaus Ditgens, Günter Groß und Alexej Hundt), der Vorsitzende der CDU Cronenberg und Stadtverordnete Holger Reich , Bürgermeister Rainer Spiecker  und als besondere Teilnehmerin Ingeborg Alker, die als Bezirksbürgermeisterin über viele Jahre die Geschicke des Ortes mit lenken durfte.

Die Einführung gab Michael-G. von Wenczowsky und freute sich sehr über diesen Termin, der bei den Freiwilligen Feuerwehrleuten auch zahlreiche Unterstützung fand.

Diese nahmen in Gestalt von Löschzugsführer Dirk Jacobs, Christian Oertel (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit), Hans Joachim  Donner (Ausbildung), Holger Laubert (Technik ) dann auch gerne den Ball auf und führten durch die Räumlichkeiten der Feuerwache in der Kemmannstraße. Zu jedem Raum gab es etwas zu berichten. Manches sprach schon ohne Worte für sich.

Der „Duft“ in den Duschen, dem Jugendraum und nicht zuletzt im Gemeinschaftsraum war kein gutes Aushängeschild für nachrückende Interessenten am Dienst der Freiwilligen Feuerwehr. Noch recht ordentlich erschien der Schulungsraum, wenngleich dieser auch mit professionellen Schulungsräumen nicht mithalten kann.

Geschlechtertrennung in Umkleiden und Duschen? Fehlanzeige. Bewegungsfreiheit in den Umkleideräumen? Undenkbar. Man mag sich das Getümmel im Alarmfall gar nicht vorstellen, wie sich gestandene und oft stattliche Kerle hier umkleiden würden. Kommen diese doch nicht etwa gemeinsam aus einem Aufenthaltsraum, sondern von der Arbeit, oder zuhause oder Freizeit. Bei einem Einsatz also ein reger Betrieb.

Die Verantwortlichen der Freiw. Feuerwehr Cronenberg weisen insbesondere daraufhin, dass der bestehende Zustand in keiner Weise mit den vorgeschriebenen Unfall-Verhütungsvorschriften der Feuerwehrunfallkasse in Einklang zu bringen sind. 

So ganz nebenbei erfahren wir dann auch, dass die Einsätze nicht alleine auf Cronenberg beschränkt sind. Mittlerweile findet eine überregionale Unterstützungsleistung bei Großeinsätzen oder Katastrophenschutz in Gegenden statt, die man vorher gar nicht auf dem Schirm hatte oder kannte.

Das neueste Löschfahrzeug steht aber gar nicht hier vor Ort. Dieses ist geparkt etwa 200 Meter entfernt in einer Halle, die sonst nicht weiter genutzt werden kann – außer zum teuren Parken eines Hauptwerkzeuges für Brandeinsätze. Die Mietkosten von mehreren tausend Euro pro Jahr sollte man wirklich sparen und in den Neubau investieren.

Der Förderverein

Aufgaben und Nicht Aufgaben

Den zahlreichen Aufgaben steht auch seit 2001 ein Förderverein zur Seite, der an so manch einem finanziellen Engpass tatkräftig zur Seite steht. Doch gehört hier satzungsgemäß nicht die laufende Finanzierung zu den Aufgaben, sondern Sonderposten, wie bessere Ausrüstung, Fahrsicherheitstraining, Ausbildung in Trainingszentren unter realen Bedingungen oder sonstige Leistungen sind hier Trumpf. Weiterbildung und kleine komfortable Einrichtungen kann man ebenso finden, wie Werkzeuge oder Ausbildungsmaterial. Auch die Unterstützung der Jugend ist hier ein wichtiger Punkt und somit die Nachwuchsförderung der bis 17-jährigen. 

Mehr Informationen findet man auch unter der eigenen Webseite unter https://www.feuerwehr-cronenberg.de/startseite.html 

Fazit des Besuches

Es ist vollkommen unverständlich, wie die Stadt eine derart existentiell wichtige Aufgabe derart nachlässig versorgen kann. Laut Auskunft des GMW kann frühestens 2026 an einen Anfang eines Neubaus gedacht werden – und dieser Termin ist auch nicht garantiert.

Sprechen wir doch hier von einer Pflichtaufgabe der Stadt, dann bleibt doch die Frage offen, wie hier das Verständnis der Sachbearbeitenden zu verstehen ist. Geht es hier doch um Rettungsdienste, bei denen es meistens um Minuten geht. Alleine die Fußweg von 200 Metern in voller Montur zum Löschfahrzeug, auf die verschloßene Halle, Entsicherungsmaßnahmen des Fahrzeuges und Sammeln der Mannschaft verschlingt doch wertvolle Zeit bei einem Einsatz. 

Und wie sollen auch weibliche Einsatzkräfte gewonnen werden, wenn diese keine eigenen Sanitärräume haben können und bei Einsätzen auch keine eigene Umkleideräume? „Muffelige“ Räume für die Jugend sind auch keine geeignete Werbemaßnahme für junge Leute.

Es wird allerhöchste Zeit – es ist brandeilig – hier unverzüglich die Projektierung für den Neubau der Feuerwehr zu beginnen. Cronenberg hat es wirklich nötig und die Verwaltung kann sich nicht immer hinter Personalmangel, Belastung und Finanzierungsproblemen verstecken.

Die CDU Cronenberg fordert hier unmissverständlich den sofortigen Beginn für den Bau in der Berghauser Straße. Die Schule steht bereits seit Jahren leer und wartet nur auf einen Umbau. Raum wäre genug vorhanden. Und wenn man dies dann auch noch mit den geforderten Wohnungen für die Einsatzkräfte planen würde, dann wären die Ausrückzeiten auch wieder in vorbildlichem Rahmen.  

Es könnte jeden treffen. Jeder von uns Bürgern könnte in die Lage kommen, den Einsatz der Freiwilligen Feuerwehren zu benötigen. Nicht auszudenken, wenn diese mal zu spät kämen und Opfer zu beklagen wären.

Die Stadt Wuppertal ist dringend aufgefordert, ihren rechtlichen Verpflichtungen aus dem Brand-, Hilfeleistungs- und Katastrophenschutzgesetz nachzukommen.

  • Holger Reich, Vorsitzender der CDU Cronenberg und Stadtverordneter
  • Michael-G. von Wenczowsky, CDU-Fraktionsvorsitzender in der BV Cronenberg

Weitere Informationen auch unter https://www.holgerreich.eu/zu-besuch-bei-der-freiwilligen-feuerwehr-cronenberg/

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